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Aktualisierung: 27. März 2007Druckversion

Didacta 2007 – „Let’s make Music“ in Halle 9

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Vor wenigen Tagen schloss die einmal jährlich stattfindende größte Bildungsmesse Europas ihre Pforten. Erstmals konnte die Didacta in diesem Jahr zusätzlich am Samstag besucht werden. Da an Schulen in der Post-Pisa-Phase jedweder Unterrichtsausfall stärker in den Blick genommen wird, hatten die Messeplaner zusätzlich einen unterrichtsfreien Tag einbezogen. Auf diese Weise hatten auch Lehrerinnen und Lehrer von Schulen, an denen die Empfehlungen allzu eng ausgelegt werden, die Möglichkeit, das Angebot wahrzunehmen.

Wie groß die Entscheidungsspielräume von Schulleitungen tatsächlich sind, zeigte sich – auch in diesem Jahr wieder – an der großen Zahl der Pädagogen, die die Veranstaltung an den ersten vier Tagen besuchten.

Auf Europas größter Bildungsmesse auf einer Life-Bühne spielen zu dürfen, das gehört schon zu den besonderen Highlights des Schulalltags – insbesondere an einem ganz normalen Schulvormittag. An insgesamt zwei Tagen spielten Schülerinnen und Schüler der Realschule Meinerzhagen, einem kleinen Ort im Sauerland, auf der „Let’s make Music“-Bühne in Köln. Mit dem Klassenmusizieren im Jahrgang 5 nach dem Konzept „Ein Weg zur Musik“ hatte alles angefangen. Doch das, was sich in Köln auch nach dem Auftritt noch ergab, hätte sich zuvor wohl niemand träumen lassen: im ersten Moment war der Ärger über einen verpassten Zug am späten Nachmittag zwar unüberhörbar, dann aber entwickelte die Gruppe eine unglaubliche Eigendynamik. Im Eingangsbereich fanden sie sich zusammen und sangen und spielten spontan einige der einstudierten Stücke. In der Mitte stand eine kleine Mütze, die nach kurzer Zeit mit einem beachtlichen Spendenbetrag gefüllt war – für die nächste Klassenfahrt. Das Ziel ist übrigens, wie spontan kurz nach der Messe abgesprochen, Stuttgart, der Zeitpunkt ist Februar 2008, denn dann findet die nächste Didacta statt.

Gespielt wurde übrigens mit der Blockflöte und teilweise auch mit dem Clarineau, einer faszinierenden Kreuzung aus Blockflöte(ngriffen) und Klarinette(nmundstück).

Klassenmusizieren heißt die Bewegung, die mal mit Orchesterblas-, mal mit Streichinstrumenten, mal mit Gitarren und eben auch mit der Blockflöte oder dem Clarineau neue Signale setzt.  Hinter diesem Aufbruch steckt die Idee einer allgemeinen musikalischen Alphabetisierung mit deutlichem Praxisbezug. „Jedem Kind ein Instrument“ heißt zum Beispiel ein Projekt des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kulturstiftung des Bundes und der Zukunftsstiftung Bildung unter Beteiligung der Kommunen und privater Förderer. Es ist ein musikpädagogisches Angebot für das Ruhrgebiet im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 und umfasst etwa 1000 Grundschulen mit 212.000 Schülerinnen und Schülern. Das Budget an Fördergeldern ist beachtlich.

Außerhalb dieser Region wird man nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten müssen. Der Gedanke „Jedem Kind ein Instrument“ sollte allerdings nicht aus dem Blick geraten. Im vergangenen Jahr hatte beispielsweise ein örtliches Musikgeschäft ein Projekt unterstützt, in dem eine ganze Klasse der Städtischen Realschule Meinerzhagen Blockflöten – in barocker Griffweise – gebaut hatte. Der Händler hatte alle anfallenden Kosten übernommen. Die Instrumente kamen auf der diesjährigen Didacta zum Einsatz.

„Let’s make Music“ ist übrigens ein bundesweiter Zusammenschluss zahlreicher Instrumentenhersteller und seit Jahren nicht nur auf der Didacta, sondern auch auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt vertreten, die in Kürze wieder stattfindet. Zu einem wirklichen Faktor aber wurde der Zusammenschluss erst seit dem Wechsel in der Geschäftsführung. In diesem Jahr hatte erstmals Jo Kunath, engagierter Holzblasinstrumentenmachermeister aus Fulda, alle Fäden in der Hand. Er versteht es wohl wie keine zweiter, die Impulse, die von allen Seiten kommen, zu koordinieren und zu multiplizieren.

In Halle 9 gab es außerdem Informationen und Kurzworkshops rund um das Thema "Musik in der Schule". Klassenmusizieren, Musikklassenkonzepte, Instrumente und Unterrichtsmaterialien standen im Mittelpunkt der Sonderschau.

In dem kleinen Ort Meinerzhagen findet Ende 2008 übrigens ein Wettbewerb statt, bei dem die jungen Musikerinnen und Musiker noch einmal eine ganz große Bühne betreten können. Es handelt sich um den Wettbewerb Folk&World-Music 2008. Die Veranstaltung des Landesverbandes der Musikschulen in NRW e.V. in Kooperation mit dem Landesmusikrat NRW konnte tatsächlich in die Stadt an der Volme geholt werden. Angesprochen sind dabei nicht nur Laienmusikvereine, sondern vor allem auch die allgemein bildenden Schulen.

Text und Bilder: Stefan Wennemann